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Der stille Sänger in der dritten Reihe

Ihr kennt sie alle: Jene Sängerin oder diesen Sänger, den ich meine...

Er gehört zu den Ersten, die in der Probe aufschlagen. Er hilft ganz selbstverständlich, Stühle zu rücken, Wasser bereit zu stellen oder geht wie selbstverständlich kopieren. In den Proben fällt er nicht auf - und wenn, höchstens positiv. Während andere um die Aufmerksamkeit der Chorleitung buhlen, ist er faktisch unsichtbar. Er ist immer mittendrin, aber selten fällt er dort auf. Und auch hier gilt: Wenn er auffällt, dann durch sachliche, um Ausgleich bemühte Argumente oder kleine, konstruktive Denkanstöße oder nette Geschichten. Und während alle anderen nach der Probe zu ihren Autos oder Bushaltestellen strömen, schließt er / sie noch eben die Fenster, kontrolliert Küche, Klo oder Heizung und verabschiedet sich kurz und nett.

Kein Sänger, der auffällt. Keiner, der auffallen will. 

 

Glaubt mir, diese Stillen aus der dritten Reihe müsst Ihr besonders pflegen!

Dieser Mensch wird niemals um ein Solo kämpfen. Er wird nur sehr selten in Grabenkämpfe einsteigen. Wenn er Kritik anbringt (was selten ist), dann ist das etwas, worauf ihr besondere Aufmerksamkeit legen solltet (selbst wenn sie fachlich unsinnig scheint - er oder sie spiegelt garantiert ein Stimmungsbild). Er / sie ist loyal und eure größte Stütze.

 

Ihr wisst selbst, es gibt genug andere Sänger, die beständig nach Aufmerksamkeit schreien. Manche durch positive Aktionen, manche eher durch negative Handlungsweisen. Genau dann wird es besonders wichtig, sich für den "Stillen" noch einmal gesondert Zeit zu nehmen.

 

Mein Rat an die Chorleiterkollegen:

  • Bedankt euch einmal öfter für seine kleinen Hilfsgesten.
  • Ihr habt Krach im Chor? Lenkt eure Aufmerksamkeit gerade, wenn ihr euch vorm Chor unwohl fühlt, auf diesen Sänger, diese Sängerin. Holt euch eure Kraft dort.
  • Ihr spürt, es gibt Unfrieden, wisst aber nicht genau, woher dieser kommt? Fragt nicht die Meinungsführer. Sondern in einem Einzelgespräch diesen "Stillen". Er wird vermutlich auch sehr objektiv und sachlich antworten. 
  • Positiver Nebeneffekt: Pflegt ihr die "Leisen" besonders, werden die Lauten sich dem angleichen und der Chor wird insgesamt harmonischer.

Mein Rat an Euch Chorsänger:

  • Seid ihr ein solcher "Stiller"? Dann ziehe ich vor euch einmal ganz besonders den Hut.
  • Achtet auf Eure Erwartungshaltung: Ich weiß, Ihr seid absolute Teamplayer. Aber wenn Ihr anpackt, macht es nicht für Anerkennung von anderen, sondern einfach für Euch selbst. Spoileralarm: Andernfalls werdet Ihr zwangsläufig enttäuscht.
  • Ihr steht regelmäßig als Einziger zum Schluss für das Aufräumen bereit, schließt als Einziger regelmäßig den Raum auf oder organisiert anderes? Wenn die Antwort "nein" lautet, ist das gut. Wenn sie "Ja" lautet, denkt darüber nach, ob ihr nicht ein oder zwei  Verbündete findet, die euch unterstützen können.
  • Ihr habt etwas, das Ihr dem Chorleiter oder der Chorleiterin vorschlagen wollt? Überlegt euch, wie müsste das Gesagte klingen, damit auch Ihr Lust hättet, etwas zu ändern oder zu erwägen. Konstruktive Kritik äußern heißt, seinem Gegenüber auch die Wahl zu lassen, etwas zu ändern und motiviert, sie zu überdenken.
  • Ihr habt gerade genug und fühlt euch ausgenutzt? Sprecht darüber. Aber nicht mit Chorsängern, sondern mit der Chorleitung. Überlegt euch Strategien, wie das künftig besser läuft.

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